Einsatz unter extremster Anspannung in der Gartenstadt – Eindrücke des THW-Helfers Conrad

Halberstadt, 01.03.2018 – Die Bilder werden noch lange in den Köpfen der Anwohner und der unzähligen Einsatzkräfte bleiben. In den frühen Morgenstunden des 23. Februars 2018 hallte ein lauter Knall durch die Gartenstadt von Halberstadt. Ein Wohnhaus explodierte. Man vermutet ausgetretenes Gas als Ursache, eine Person verliert ihr Leben in den Trümmern, eine weitere Person wird verletzt.

Thomas Conrad ist wohnhaft in Halberstadt und mit seinen weiteren 13 Kameraden des Ortsverbandes in nur kürzester Zeit am Unfallort. „Es sah aus wie nach einen Bombenanschlag, überall lagen Trümmer  herum.“ erinnert sich der 34-Jährige. Unter Regie der Freiwilligen Feuerwehr Halberstadt halfen sie bei der Suche nach der zu diesem Zeitpunkt vermissten Person und der Trümmerbeseitigung. „Es war sehr kalt und glatt, das Löschwasser gefrierte zum Teil.“ berichtet Conrad weiter. Als bekannt wurde, dass sich die vermisste Person zum Unfallzeitpunkt im Haus befand und diese unter dem Trümmerhaufen zu vermuten war, stieg in ihm die ohnehin schon angespannte Lage extrem an. „Es war mein erster Einsatz für das THW mit einer Vermisstensuche, die zudem leider tragisch endete. Sonst war ich größtenteils nur bei Hochwasser-Einsätzen aktiv, zuletzt im Sommer 2017 in Ilsenburg und Derenburg“ erzählt der Ehrenamtliche, der sich seit 2001 für das Technischen Hilfswerk engagiert.

 

Die Geschehnisse psychisch zu verarbeiten, ist nach solchen emotionalen Einsätzen oft nicht leicht. Thomas Conrad fand Halt bei seiner Familie und brauchte etwas Zeit, bevor er mit seiner Frau das Erlebte besprach. „Reden hilft der Seele und das ist wichtig.“ ist Thomas Conrad überzeugt; ob mit Familie, Freunden oder Kameraden. Ablenkung fand er ebenso durch seine drei Kinder, die ihn mit Spiel und Spaß wieder auf andere Gedanken brachten.

Professionelle Hilfe nach extrem belastenden Einsätzen ist ein Thema, dem sich das THW seit vielen Jahren angenommen hat. Unter dem Motto „Helfer helfen Helfer“ hält das THW bundesweit zwölf Einsatznachsorgenteams in Bereitschaft. Ziel der Arbeit dieser Teams ist die Erhaltung der Gesundheit der THW-Helfer, insbesondere bei psychisch belastenden Einsätzen, wie jener am Freitag. Denn auch für das Einsatznachsorgeteam hieß es: Einsatz. Dem Umstand geschuldet, dass es unter den halberstädter Kameraden ein Teammitglied der Einsatznachsorge des Länderverbandes Berlin-Brandenburg-Sachsen-Anhalt gibt, war professionelle Hilfe gleich vor Ort. So begleitete THW-Experte Thomas Preiß seine Kameraden bei ihrer Arbeit und stand ihnen für die Dauer des gesamten Einsatzes und auch im Nachgang zur Verfügung.

Thomas Conrad vom Ortsverband Halberstadt sowie Sebastian Wallborn vom Ortsverband Quedlinburg wurden am Donnerstagabend neben weiteren Einsatzkräften der Feuerwehr durch den Bürgermeister der Stadt Halberstadt, Andreas Henke, für ihren beispiellosen, unermüdlichen Einsatz in der Gartenstadt geehrt. Beide Helfer nahmen die Auszeichnung stellvertretend für ihre THW-Kameraden entgegen, die mit ihnen in den Trümmern kämpften.

Bericht/ Fotos: Sandra Pampus

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