Sprengung eines Funkturms auf dem ehemaligen Fliegerhorst Oldenburg – THW-Halberstadt unterstützt

Oldenburg/Halberstadt. Am Samstag 22.09.2018 haben Einsatzkräfte und zukünftige Sprengberechtigte des Technischen Hilfswerks (THW) den Funkturm und ein Gebäude auf dem ehemaligen NATO Fliegerhorst Oldenburg gesprengt. An dieser groß angelegten Ausbildungsveranstaltung beteiligten sich auch unsere Sprengberechtigten Hansi Odenbach und Mirko Bock.

Das 320 ha große ehemalige Militärgelände ist zu einem Teil von der Stadt Oldenburg zum Zweck einer privaten Wohnbebauung angekauft worden. Marode und nicht ins zukünftige moderne Siedlungsbild passende Gebäude werden in den kommenden Monaten verschwinden. Als höchster Punkt zählt der ehemalige 43 Meter hohe Funkturm im Ostteil auf dem seit 2006 verwaisten Fliegerhorst. An dieser Stelle sollen zeitnah die ersten Siedlungsgrundstücke verkauft werden.

Der Funkmast: Anfang der 80er Jahre wurde in die Luftwaffe das digitile Automatische Führungsnetz der Luftwaffe ( AutoFüLw ) eingerichtet. Es war ein digitales luftwaffeneigenes Telefon/Fernmeldesystem, an das die diversen Luftwaffenkampfanlagen über Richtfunk angeschlossen waren. Das ebenfalls gesprengte Gebäude 56 diente der Sanitätsstaffel auf dem Fliegerhorst als Unterkunftsgebäude.

Die mit den Abbrucharbeiten auf dem Fliegerhorst beauftragte Unternehmensgruppe H. Bohmann holte für die Sprengarbeiten des Funkturms und eines Gebäudes das Technische Hilfswerk mit ins Boot. Ein Glücksfall war es für die THW Fachgruppe diese Sprengung auf dem Fliegerhorst in Oldenburg im Rahmen einer Ausbildungsveranstaltung zu planen. Die Fachgruppen Sprengen mit den Sprengberechtigten gibt es beim THW in allen acht Landesverbänden, sagt Marcus Schwerendt, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im OV des THW Oldenburg.

  

Die Auswahl beim THW war diesmal an zukünftige Sprengberechtigte aus mehreren Bundesländern gegangen. Die zehn THW Kräfte aus dem Ausbildungszentrum Neuhausen auf den Fildern in Baden-Württemberg waren aus mehreren Bundesländern zusammenkommen, um als Abschluss ihrer Ausbildung das komplette Einsatzszenarium unter den strengen Augen der Prüfer am realen Objekt zu planen und durchzuführen. Seit mehreren Tagen wird dieser Einsatz im Lagezentrum beim gut vier Kilometer entfernten Ortsverband Oldenburg am Artillerieweg vorbereitet. Neben dem Sprengeinsatz müssen in einem 300 m Sicherheitsradius etwa 50 Haushalte mit ca. 200 Personen von den THW Kräften aus dem Gefahrenbereich herausgebracht werden. Eine Herausforderung, die das THW aus Oldenburg am Samstag mit Unterstützung der Polizei leisten muss.

Bereits im Vorfeld haben die THW Einsatzkräfte damit begonnen, die Sprengung am ehemaligen Funkturm sowie am Gebäude 56 auf dem ehemaligen Militär-Gelände, unter der Anleitung des erfahrenen Sprengmeisters Martin Hopfe (Thüringer Sprenggesellschaft mbH), vorzubereiten. Im Gebäude wurden über 570 Bohrlöcher und im Funkturm 44 Bohrlöcher mit Sprengmittel verfüllt.  Das Gebäude und der Turm waren bereits im Vorfeld „mechanisch” vorgeschwächt und die Sprenglöcher zusätzlich mit Schutzmatten abgesichert worden.

Neben dem 65-Jährigen beratenden Sprengmeister Martin Hopfe aus Thüringen liegt die Spreng- und Gesamtaufsicht in den Händen von Ronald Bahr. Bahr ist hauptamtlicher Mitarbeiter des THW-Landesverbandes Bremen/Niedersachsen, Sachgebiet Einsatz/Ausbildung. Die Vorbereitungen laufen ab wie ein Uhrwerk und sie sind wie immer präzise und unter dem Gebot der höchsten Sicherheitsstufe zu leisten, sagt Ronald Bahr. Zu den besonderen Sicherheitsleistungen durch das THW zählt auch, dass das Gelände rund um die Uhr bewacht ist. Ausgeleuchtet wird der Gefahrenbereich mittels Lichtmastanhänger (LiMa) vom THW Ortsverband aus Jever.

Begleitet wurde der Einsatz vom ESS-Truppführer Andreas Schelcher und von dem Baufachberater Hans Hoffmann vom THW Achim. Eines der zentralen Probleme von Einsätzen in oder an geschädigter Baustruktur ist die permanente Gefahr von Einstürzen, der die Rettungskräfte ausgesetzt sind. Hier kommt das Einsatzstellen-Sicherungssystem (ESS) zum tragen.

Sprengung 14.10 Uhr: Endlich ertönt weithin hörbar das Signal: „1 x LANG: Gefahrenbereich verlassen und Deckung aufsuchen. Danach 2 x Lang: Es wird gezündet”. Nacheinander lösen der zukünftige Sprengberechtigte „Mirko” (Turmsprengung) und die Sprengberechtigte „Anja” (Gebäudesprengung) THW Clausthal-Zellerfeld die Sprengung aus.

Fast unspektakulär, aber mit einem mächtigen Knall senkt sich der 43 m hohe Funkturm wenige Minuten nach 14.00 Uhr auf den dafür aufgeschütteten Erdwall nieder und nur wenige Sekunden später fällt auch das danebenstehende Gebäude 56 zu einem riesigen Schuttberg zusammen. Das Signal: „3 x KURZ” signalisiert das Ende der Sprengung. Für Ronald Bahr war es mal wieder eine Punktladung und für das Team der angehenden Sprengberechtigten, sowie der Prüfter der Beweis einer erfolgreichen Arbeit.

Für die THW Kräfte ist es wertvolles Wissen, das bei solch einem realen Einsatz gesammelt werden kann. Axel Brandt, der Ortsbeauftragte des THW Oldenburg, zeigt sich mit dem reibungslosen Übungsverlauf zufrieden und dankt allen am Einsatz beteiligten Einheiten, der Rettungskräfte, der Polizei und der Feuerwehr für ihr großes Engagement. Der Fachberater Jens Lampe unterstützt den Einsatz; er war die Schnittstelle zwischen der Sprenggruppe und dem Technischen Hilfswerk.

Bericht/Fotos: Fred Vosteen (THW OV Oldenburg)